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Lautsprecher



Christina Kubisch
Abgehängt 2014
Klanginstallation für den Turm des Arp Museums, Remagen
5000 m elektrisches Kabel, 90 Lautsprecher, zwölfkanalige Installation

Das Märchen von Rapunzel ist weltweit bekannt. Die genaue Geschichte der eingeschlossenen jungen Frau, die sich ihre Zeit mit Gesang vertreibt und nur über ihr langes Haar mit der Außenwelt in Kontakt treten kann ist weniger bekannt und komplexer, als es auf den ersten Eindruck erscheint.
Das Thema des Märchens ist die Isolation, der Mangel an realer Kommunikation, ständige Überwachung und Gewalt durch Mächtige. Kann man dieses Bild mit der heutigen ständigen Beobachtung und Speicherung persönlicher Daten anhand digitaler Medien verknüpfen? Ganz sicher gibt es Parallelen von damals zu heute. Sie haben mich zu dieser Arbeit inspiriert.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich in meiner Arbeit mit elektromagnetischen Feldern, ihrem Ursprung und der Hörbarmachung dieser elektrischen Wellen. Ich versuche, eine Welt erfahrbar zu machen, die normalerweise unsichtbar und unhörbar ist, uns aber wie unter einer Tarnkappe verborgen trotzdem ständig umgibt.
Das Bild des langen, aus feinen goldschimmernden Haaren gesponnenen Zopfes hat mich in diesem Kontext sofort an die feinen Adern von Kupferkabel erinnert, deren Leitungen von Informationen durchflossen werden: die Haarflechten als Datenautobahn von Signalen, die zum Austausch von Informationen dienen, aber auch plötzlich abgeschnitten werden können.
Ein vierzig Meter langer Zopf, geflochten aus elektrischem Kupferkabel, hängt im Turm des Arp Museums in die Tiefe und endet mit den einzelnen Leitungen wie ein Adergeflecht auf dem Boden. Am unteren Ende sind die feinen Haare, wie es schon in der Antike üblich war, mit Schmuck verziert: die feinen Kupferleitungen enden in kleinen Lautsprechern, die die durch das Kabel fliessenden Klänge hörbar machen.
Die Klänge sind Aufnahmen von elektromagnetischen Feldern verschiedener Provenienz: von Lichtreklamen, Bildschirmen, Automaten, Sendern und Empfängern, Rechenzentren, Flughäfen, Sicherheitsystemen etc. In diese elektroklänge mischen sich von zeit zu zeit die geheimnisvollen Vibrationen einer Glasharmonika, die im 19. Jahrhundert als Instrument gespeilt wurde.gespielt wurde.
Der Besucher hört, wenn er oben in den Turm eintritt, die Klänge nur wie ein leises, entferntes Summen, aber je mehr er in die Tiefe zum Ende des elektrischen Rapunzelzopfes heruntersteigt, umso intensiver und dichter wird das Klanggeschehen. Und vielleicht auch um so beunruhigender.